Archiv für das Tag 'schnee'

Erst fiel die weiße Pracht wochenlang vom Himmel, jetzt taut sie. Das ist kein ungewöhnlicher Vorgang bei Plusgraden. Doktor Micebase ging dieser Schnee zuletzt dermaßen auf die Nerven, weil das öffentliche Leben wie gelähmt war. Man konnte ja keinen geraden Schritt machen, weil sich ständig der Untergrund änderte.
Nicht nur einmal ist es dem Doc passiert, dass er gedankenversunken durch seine Heimatstadt lief und vor ihm eine schöne Frau in Stiefelettos umknickte. Dann weinte sie bitterlich. Anfangs hob Dr. Micebase diese Frauen noch auf, stellte sie auf die Beine und spendete Trost. Später umlief er sie nur noch wie Slalomstangen.

Was ihn aber noch viel mehr an diesen Schneemassen ärgerte, war die unterschiedliche Bereitschaft der Hausbesitzer, den Gehweg vor ihren Häusern zu räumen. Auf einer lächerlich kurzen Strecke konnte es passieren, dass vor einer Hauswand in allerbester Manier geräumt und gesalzen war, man wunderbar vorankam und dem Hausbesitzer winkte, der sich zum Wohle der Passanten aus dem Dachfenster lehnte und Eiszapfen wegföhnte, während sich keine zehn Meter weiter der Schnee türmte. Hier war es dem Hausbesitzer offensichtlich egal, dass eine alte Frau mit ihrem Gehbänkchen steckengeblieben und erfroren war und aus ihrer Strickmütze ein herabgefallener Eisspeer ragte. Es kann sein, dass der letzte Teil nicht hunderprozentig der Wahrheit entspricht, aber seien wir mal ehrlich…Es wäre doch nur eine Frage der Zeit gewesen, bis sich so ein Unglück ereignet hätte.

Jeder kann sich vorstellen, was dann losgewesen wäre: Der Hausbesitzer träte zügig auf den Gehweg und würde ohne viel Aufhebens Oma und ihr Gehbänkchen unter den Arm klemmen wie eine Rolle Teppich, um in den Keller hinabzusteigen. Schon kämen von links und rechts Passanten mit mahnenden Zeigefingern angeschritten. Es hätte sicherlich auch jemand mit den nötigen Paragrafen im Kopf einen Vortrag gehalten und erklärt, dass ein Hausbesitzer verpflichtet sei, seinen Teil des Gehweges von Eis und Schnee zu befreien. Dem Hausbesitzer wäre es an den Kragen gegangen und den Angehörigen der Oma heisse Tränen über die Wangen geschossen. Nur dem vorbeilaufenden Dr. Micebase, den sein neugegründeter italienischer Fanclub “dottore di ricerca micebase” nennt, wäre das egal gewesen. Dem ist alles egal. Der ist Nihilist.

Draußen schneit es seit Tagen in einem fort… Endlich genug Material für Dr. Micebase’ lebensbejahende Schneefiguren.

Prinzipiell hat Dr. Micebase nichts gegen Winter. Er bietet allerdings auch Nachteile, die nicht von der Hand zu weisen sind. Man muss seinen Körper unter Lagen von Kleidung verstecken, was es Frauen nicht mehr ohne weiteres ermöglicht, dessen V-Form zu erkennen. Erst nachdem Dr. Micebase durch charmante Plauderei das andere Geschlecht überzeugt hat, ihn mit nach Hause zu nehmen, hört er Sätze wie “Oh, nach dem Ablegen deiner Herrenjacke erkenne ich erst deine ausgeprägte Brustmuskulatur, Dr. Micebase.”. Gut so, Schätzchen. Besser spät als nie.

Ein weiterer bedeutender Nachteil eines schneereichen Winters ist sicher folgender Satz, den man besonders aus Mündern älterer Herren hört, die gerade Schnee schieben. “Ist das jetzt die Erderwärmung, von der sie im Fernsehen immer reden, Hajo?” Hohohoho. Oft hält Dr. Micebase an, gaukelt den Herren vor, ins Gespräch einsteigen zu wollen, um ihnen dann Schneebälle aus wenigen Metern an die Schläfe zu werfen, damit ein Umdenkprozess einsetzt.

Der Klimawandel ist durchaus keine Erscheinung, über die man in sächsischen Garageneinfahrten unmotivierte Witze zu machen berechtigt ist, vor allem, wenn man das eigene Wohnzimmer konstant auf 35 Grad hochheizt. Jeder kennt das doch von seinen Großeltern. Großmutter stellt zur Weihnachtszeit eine Schale saftiger Orangen ins Wohnzimmer, die Großvater durch unverhältnismäßiges Bedienen der Ölheizung im Nu zu kleinen Mandarinen zusammengeschrumpelt hat. Später kommt man ins Wohnzimmer der Großeltern und stöhnt “Uuääh, schon wieder Mandarinen.” Dabei wollte Oma Orangen anbieten, gegen die niemand etwas gehabt hätte.

Die einzigen, die sich aufrichtig über Schnee freuen, sind Kinder. Sie können 12 Stunden lang einen Rodelhang hinaufstürmen und hinunterrasen, ohne etwas zu trinken. Das Trinken übernehmen die Erwachsenen. Zum Beispiel auf Rodelhängen. Achtlos werfen sie dann ihre Bierflaschen weg und Kinder rodeln durch die Bierflaschen, schneiden sich die Oberschenkeladern auf und verbluten noch auf dem Hang.
Dr. Micebase, du bist ja ein perverses Schwein!

Nein, bin ich nicht. Ich habe nur das Schicksal des kleinen Felix in den Text eingeflochten.