Archiv für das Tag 'kolumne'

In seinem Inneren ist Dr. Micebase ein schrecklich unkonzentrierter Mensch. Nie schafft er es, sich nur auf eine Sache zu versteifen. “Na und? Das interessiert doch kein Schwein.”, ruft es ihm entgegen. “Gib uns leichtverdauliches und anzügliches Amüsement, damit wir unser spannungsfreies Leben vergessen.”

Nein. Heute nicht. Heute geht es erstmal um Dr. Micebase’ Kopf, dessen Umfang vor einigen Jahren boshafte Mitschülerinnen mittels Filzstift auf der Damentoilette mit einem Einzeiler huldigten. “Dr. Micebase ist ein Wasserkopf.” stand da geschrieben, so wurde es ihm erzählt. Dr. Micebase war zu dieser Zeit 13. Ihm hat das sehr weh getan. Es stimmte nämlich: Proportional war das Verhältnis zwischen Körper und Schädel nicht. Heute ist das anders. Sein Körper hat sich entwickelt. Auf Damentoiletten stehen jetzt Dinge wie

“mein herz zerbricht, doktor micebase,
denn ich denk’ selbst hier an diesem stinkenden place
nur an dein hübsch geschnittenes face.”

Á propos Toilette: Noch nie wurde auf micebase.de erklärt, dass der Doc einen klaren und nahezu geruchlosen Urin hat, den er sofort wieder ins Trinkwassernetz einspeisen könnte.. Der Grund? Er trinkt kannenweise Kamillentee. Viele stöhnen “Uuuargh, Kamillentee. Das erinnert mich immer an Krankheit.”. Jeder hat auch immer gleich eine Kamillenteegeschichte parat: Dr. Micebase’ Favorit wurde ihm heute erzählt. Ein Bekannter litt schon als Jugendlicher unter Vorhautverengung und dem regelmäßigen Verwachsen des schmalen Bändchens unterhalb der Eichel mit dem restlichen Penis.

Der Gang zum Arzt war unvermeidlich und dieser war nicht zimperlich und kam ohne örtliche Betäubung aus. “Ich ziehe das jetzt schnell nach unten, das könnte etwas weh tun.”
…ratttsch. Blut, Tränen, schlechte Laune. Später musste der Bekannte die Wunde in eine Tasse Kamillentee hängen, weswegen diese Sorte Tee noch heute nicht seine favorisierte ist. Die vom Doc hingegen schon.

Das alles hat mit dem Textanfang nur insofern etwas zu tun, als das der Doc nachgewiesen hat, dass er nicht imstande ist, für eine gewisse Zeit auf ein Ergebnis zu achten.

dr. micebase

Dr. Micebase’ Tagebuch.

Oft finden Leute auf diese Seite, weil sie eine unterhaltsame Plauderei erwarten und von Dr. Micebase auch regelmäßig serviert bekommen. Häufig sitzt er abends vor seiner kleinen elektronischen Schreibmaschine und feilt an den Formulierungen und dann wird meistens doch nichts draus. Dann stößt er einen Fluch aus, verflucht viele Dinge, auch Personen, legt sich ins Bett und flucht sich in den Schlaf.

Gewöhnlich träumt er dann absurden Mist.
Heute nacht saß Mariah Carey auf einer Sitzecke neben Dr. Micebase und räkelte sich zu ihm herüber. Dr. Micebase, der eigentlich weiß, was in so einer Situation mit einem Frauenzimmer anzustellen ist, hört sich selbst “Komm mir nicht zu nahe, ich hab heute nicht geduscht.” sagen und Mariah Carey interessierte das überhaupt nicht. Viele männliche Blogleser werden erwidern “Dr. Micebase, wenn Mariah Carey auf einer Sitzecke zu einem rüberrutscht, sollte man die Gelegenheit nicht verstreichen lassen, nur weil man denkt, man könnte riechen wie ein nach den Sommerferien aus der Ecke geholter Turnbeutel.”.” Dem kann Dr. Micebase auch gar nicht groß widersprechen.

Am Morgen nach einem solchen Stelldichein mit einer der größten Pop-Sängerinnen des Planeten reibt sich Dr. Micebase verwundert die Augen. Im Zimmer steht das Testosteron, deshalb wird gelüftet. Minus zwölf Grad Celsius fliegen zum Fenster herein und Dr. Micebase quiekt und rennt ins Badezimmer. Hier versucht er mit einer Astschere, sein Barthaar zu zähmen, woraufhin gewöhnlich die Niete, die die Schneideblätter zusammenhält, herausspringt.

Das stimmt natürlich nicht. Zwar ist Dr. Micebase Vollbartträger, aber wäre er beim Bartschnitt nicht so gewissenhaft, würde man durchaus das ein oder andere Loch entdecken. Neulich kam ein an einem Zimmer interessierter 19-jähriger in die Wohnung marschiert und sagte zu Dr. Micebase Worte, die wie Musik in den Ohren klangen. “Ich versuch mir auch einen Vollbart stehenzulassen, aber das wächst nicht so schön wie bei dir.” Dabei hatte dieser junge Kerl einen sehr schönen und dichten Aknebart.

Süß ist der Spott, den man auf Heranwachsenden abladen kann. Diese jungen und orientierungslosen Geschöpfe sind so zerbrechlich. Es bedarf nicht viel, manchmal nur eines spöttelnden Wortes der Angebeteten, und schon biegen sie falsch ab und kommen irgendwann in solcher Klamotte in die Berufsschule. Schon hat man als Elternteil allergrößte Mühe, mit dem Jungen selbstbewusst durchs Dorf zu schreiten.

freak

dr. micebase

Dr. Micebase schlägt um sich…

Neulich traf Dr. Micebase im Traum seine Oma. Sie stand auf einem Dach und machte nicht den Eindruck, als sei das ungewöhnlich. Dr. Micebase schwatzte ein bisschen mit ihr. Wie man so schwatzte, tauchten plötzlich Wespen auf, von überall her. Was macht man? Man wird hektisch und versucht die Biester zu verscheuchen, dass sie einem auch schön in die Handkante stechen. Schließlich wurde Dr. Micebase von sich selbst geweckt, als er in seinem Bett nach einer dieser Wespen schlug.

Oh, welch ein Glück, dass er derzeit Single ist und niemand Zeuge dieser Bewegung wurde. Welche Erklärungsnöte hätte man, wenn man eine krachende Vorhand durchs Bettzeug fliegen ließe und die Partnerin bereits seit 20 Minuten munter ist? Einen Stirnrunzler würde man ernten, wenn nicht gar Spott.

Wäre Dr. Micebase nicht Single, diese Anekdote würde ihm ewig um die Ohren fliegen. Man stelle sich nur den Besuch bei den Schwiegereltern vor. Ohnehin versprüht man bei solch einer Veranstaltung nicht jenen Esprit, der einen sonst auszeichnet. Und schaut der Schwiegervater nicht schon seit längerem prüfend herüber, während man interessiert das Muster der Tischdecke auswendig lernt? Natürlich. Angespannt sind solche Situationen, man sehnt sich nach stillezerschneidender Rede, die auch gern von den anderen gehalten werden kann. Plötzlich tönt es:

“Wisst ihr, was Dr. Micebase neulich im Schlaf gemacht hat? Er hat nach einer Wespe geschlagen, so hier…*surr*.” Hahahahihihihohoho. Überall kreischendes Entzücken und in den Nacken geworfene Köpfe.
Die mitgebrachte Taktik, den Schwiegereltern zu vermitteln, man sei erfolgreich und ein echter Kerl – mit einer Handbewegung weggewischt. Schon ist man der niedliche Dr. Micebase, dem der Schwiegervater ähnlich viel zutraut, wie dem 14-jährigen Sohn.

All dem entging Dr. Micebase, weil die zu den Schwiegereltern gehörige Tochter nicht anwesend war, denn … Dr. Micebase ist ja Single. Schwer zu glauben, aber wahr. Damit hat Dr. Micebase aber überhaupt kein Problem. Er redet ohnehin lieber mit der Oma, als mit den ganzen verdorbenen Frauenzimmern da draußen.

Sehr geehrte Damen und Herren,

es ist trübe Jahreszeit und der verhassteste Monat des Jahres, der November, dauert noch vier Stunden. Danach kommt der Dezember, ein Monat, der bei vielen Alleinstehenden Wehmut auslöst durch die besinnliche Weihnachtszeit, nicht jedoch bei Dr. Micebase. Erstens wäre es ihm ein Leichtes, in den nächsten drei Wochen eine Dame zu besorgen, die sich unterm Weihnachtsbaum in sein Brusthaar eingräbt und brunftet, zweitens gönnt er in diesen unseligen Zeiten vor allem den Pärchen unter uns einen Rückzugspunkt, ein Sich-Besinnen auf christliche Werte. Haben es diese Pärchen nicht schon schwer genug?

Kaum kommen sie zusammen, durchleiden Mann und Frau eine Metamorphose von der Art, dass die Männer von coolen Singles zu Pantoffelhelden heruntermutieren und die Frauen ihre Arme in gluckenhafter Weise um den Pantoffelhelden spannen und zusammenschrauben, so dass höchstens noch Platz bleibt für ein befreundetes Pärchen, mit dem man jeden zweiten Sonntag beim Käsefondue neue Rekorde im Lästern aufstellt.

Doch nicht nur für Singles und Pärchen hält die Weihnachtszeit die ein oder andere Unannehmlichkeit parat. Hatte sich nicht beispielsweise der 14-jährige Norris zu Weihnachten die im oberen Preissegment angesiedelten Nike Shox NZ mit eingebautem Schulhof-Respekt gewünscht, als er neulich zum ersten Mal seit zwei Monaten mit seiner Mutter sprach? Ja, die Mutter nickt und bricht in Tränen aus, aus dem Vater perlt der Schweiß, während er die Schuhe in Goldstädter Brand umrechnet. In sozial schwächeren Schichten kommt es gerade im Dezember zu heftigen Diskussionen.

Ohnehin haben es die Alkoholiker am schwersten. Den Rest des Jahres können sie das eigene Scheitern mit dem Studium der größten Flugzeugträger der Welt auf N-TV ausblenden und dabei nicken, weil man das Programm der anderen Sender ohnehin als Schwulettenfernsehen einstuft. Zur Weihnachtszeit aber wechseln selbst diese letzten Männersender auf Weihnachtsreportagen um…
Besonders jetzt wird dem Alkoholiker der Alkohol lieb und teuer und während in 90 % aller Haushalte Kinderaugen glücklich leuchten, liegt bei ihm nur Erbrochenes auf dem Gabentisch.

Dabei kann er sich noch glücklich schätzen, wenn er einen Fernsehapparat und einen Tisch hat. Die schweren Alkoholiker, die, die Weihnachten in Einrichtungen für Bedürftige verbringen, haben noch schwerer daran zu knabbern. Wenn man Glück hat, verteilt die Bahnhofsmission eine kleine Weihnachtstüte. Inhalt: eine Mandarine aus Stahl und Zementplätzchen…dabei bräuchte der Bedürftige in erster Linie ein warmes Plätzchen unter uns.
Das bekommt er aber nicht und so wird man, vollgefressen am zweiten Weihnachtsfeiertag Geld benötigend, in der Sparkasse diesen scharfen Geruch bemerken, diesen Sporttaschen-artigen, jedoch noch um jene kaum wahrnehmbare qualitative Schattierung ergänzt, die nur eine mit Afterschweiß gesättigte Unterhose verströmt. Und schon sieht man die Geruchsquelle am Überweisungsautomaten liegen, weil dort der Heizkörper steht und dann ist man traurig und fühlt sich schlecht. Und spätestens dann ist auch Dr. Micebase kein Weihnachtsfreund mehr und genauso wird es auch kommen.