Archiv für das Tag 'dr. miesepeter'

dr. micebase

it’s been a bad day

Tiefe Furchen durchziehen heute die Stirn des Docs, richtige Luke-Perry-Stirnfalten, denn der Doc hat miese Laune.

Hier haben wir den Luke. Er trägt so eine Plastefrisur, wie man sie früher den Lego-Männchen falschrum aufgesetzt hat, so dass sie nichts mehr sehen konnten. Ausserdem trägt Luke Perry seine amtlichen Stirnfalten zur Schau, auf die die Mädchen weltweit standen. Nur wenige fanden den blöden Brandon gut. Noch weniger mochte die Welt seine doofe Schwester Brenda. Bei der Namensgebung achteten die Serienmacher auf größtmögliche Beknacktheit. “Brandon und Brenda träumten in ihrer Pubertät von einem Branding.” “Brandon liebte seine Schwester in der kalifornischen Brandung.” Hier bieten sich Wortspiele an, wie man sie in solcher Fülle selten findet.

Es stimmt den Doc milde, dass auch ein Luke Perry kein Konservierungsmittel besitzt, das seine Schönheit ewig festhält. Stattdessen sieht Luke Perry sogar ziemlich verbraucht aus.

Das ist alles völlig uninteressant und wer genau aufgepasst und sich von den Gedankensprüngen des Docs nicht aus dem Sattel werfen lässt, wird sich erinnern, dass der Doc heute eine ziemlich üble Laune hat. Es liegt daran, dass er seinen heiligen MP3-Player verlegt hat. Es liegt auch daran, dass er gestern auf einem Autorücksitz Tzatziki gegessen und auf seine schwarze Hose gekleckert hat. Wenn man einen Tzatzikifleck mit Spucke entfernen will, nimmt er eine gräuliche Farbe an und erinnert an getrocknetes Sperma. Sowas kann einem die Laune verhageln und den ganzen Tag vergällen.*

* Aufmunternde Worte im Kommentarfeld werden nicht gelöscht.

dr. micebase

dr micebase cuts his hair.

Von Zeit zu Zeit erreicht das Haar gewisse Längen. Es wellt über die Ohren, es lockt in den Nacken hinab und der Grenzbereich zwischen Sexappeal und Unattraktivität wird für Dr. Micebase so schmal wie ein Skalpell.

Grund genug, für Abhilfe zu sorgen und schleunigst ins ‘Haarstudio Anita’ zu eilen. Einen Termin braucht man nicht, hier ist immer ein Plätzchen frei. Hier schneiden noch Fachkräfte mit DDR-Gesellenbrief Betonfrisuren für 8 Euro. Mag sein, dass man sich nach dem Verlassen dieses Haarstudios eine Woche unwohl fühlt, aber man wird trotzdem nicht untreu, denn hier saugt man das Lebensgefühl eines ostdeutschen Sozialbrennpunkts ein wie den heissen Atem eines Alkoholikers.

Junge Menschen rümpfen die Nase. “Besuch doch lieber ein Szenehaarstudio, Dr. Micebase. In deiner Stadt gibt es so viele hippe Salons.” Pah! So einen Blödsinn können auch nur individualisierte Mittzwanziger des 21. Jahrhunderts daherschnattern. Es mag vielleicht Geschäfte geben, in denen Friseure einem die wichtigsten Trends des Jahres auf die Kopfhaut praktizieren, aber erstens bezahlt man für so einen Herrenschnitt schnell 25 Euro und zweitens sitzen dort überall Snobs Marke digitale Bohème mit aufwändig inszenierten Strubbelfrisuren.

Bei Anita wiederum sitzen zauberhafte Rentnerinnen und plaudern ohne Punkt und Komma. Amüsiert lauscht man. “Ich habe mir überlegt, dass ich lieber Dienstags kommen würde. Mittwochs gehe ich immer zum REWE.” Man nickt, denn diese Frau hat so recht. Wie schnell verliert man als Seniorin beim Einkaufen die Zeit aus den Augen und streift mir nichts, dir nichts zwölf Stunden durch den Supermarkt? Wenn dann noch der Uhrzeiger signalisiert, dass man einen Friseurtermin bei Anita hat, kommt Hektik auf und klick, klack, springt das künstliche Hüftgelenk aus der Pfanne.

Was außerdem für Anita spricht, sind diese ungezwungenen Gespräche, die einem die Friseuse um den Hals bindet. “Ist doch wieder ein Wetterchen was?” “Ja, ziemlich warm.” “Wurde auch wieder Zeit, nicht wahr?” “Ja.” “Soll ich ihnen ein Spezialkonzentrat gegen ihre Schuppen mitgeben?” “Habe ich Schuppen?” Wie wohltuend direkt diese Ansage aus dem Mund einer sächsischen Vierfachmutter ist. Hier wird noch ohne Drumherum offen mit der Sprache rausgerückt. Oftmals sagen Westdeutsche ja, sie könnten die direkte ehrliche Art aus den Mündern von Ostdeutschen nicht leiden. Der Doc empfindet sie als nicht störend.

Er weiss jetzt, dass seine Kopfhaut schuppt. Er trägt jetzt eine Haarfrisur, die man klassisch nennen könnte. Er muss sich jetzt eine Woche schämen. Es gibt Schlimmeres.