dr. micebase

it’s been a bad day

Tiefe Furchen durchziehen heute die Stirn des Docs, richtige Luke-Perry-Stirnfalten, denn der Doc hat miese Laune.

Hier haben wir den Luke. Er trägt so eine Plastefrisur, wie man sie früher den Lego-Männchen falschrum aufgesetzt hat, so dass sie nichts mehr sehen konnten. Ausserdem trägt Luke Perry seine amtlichen Stirnfalten zur Schau, auf die die Mädchen weltweit standen. Nur wenige fanden den blöden Brandon gut. Noch weniger mochte die Welt seine doofe Schwester Brenda. Bei der Namensgebung achteten die Serienmacher auf größtmögliche Beknacktheit. “Brandon und Brenda träumten in ihrer Pubertät von einem Branding.” “Brandon liebte seine Schwester in der kalifornischen Brandung.” Hier bieten sich Wortspiele an, wie man sie in solcher Fülle selten findet.

Es stimmt den Doc milde, dass auch ein Luke Perry kein Konservierungsmittel besitzt, das seine Schönheit ewig festhält. Stattdessen sieht Luke Perry sogar ziemlich verbraucht aus.

Das ist alles völlig uninteressant und wer genau aufgepasst und sich von den Gedankensprüngen des Docs nicht aus dem Sattel werfen lässt, wird sich erinnern, dass der Doc heute eine ziemlich üble Laune hat. Es liegt daran, dass er seinen heiligen MP3-Player verlegt hat. Es liegt auch daran, dass er gestern auf einem Autorücksitz Tzatziki gegessen und auf seine schwarze Hose gekleckert hat. Wenn man einen Tzatzikifleck mit Spucke entfernen will, nimmt er eine gräuliche Farbe an und erinnert an getrocknetes Sperma. Sowas kann einem die Laune verhageln und den ganzen Tag vergällen.*

* Aufmunternde Worte im Kommentarfeld werden nicht gelöscht.

Sehr geehrte Damen und Herren,

der Doc hat gerade mal zurückgerechnet und festgestellt, dass der letzte Beitrag satte sechs Wochen alt ist. Er will auch nicht darauf eingehen, dass jener letzte Beitrag unbeholfen vor sich hin holperte wie ein mit einem Stützkorsett bekleidetes Kind.

Der Chemielehrer des Docs war so ein Kind und ein echter Sonderling. Immer erzählte er, dass er bis ins Alter von neun Jahren eingegipst im Bett liegen und Lebertran trinken musste. Dabei legte er eine gruselige Märchenerzählerstimme auf. Die Klasse schaute in solchen Momenten betreten nach unten und puhlte sich die schwarzen Ränder unter den Fingernägeln weg.

Schlimmer als nerdige Chemielehrer sind aufgewärmte Anekdoten aus der eigenen Schulzeit. Der Doc weiss das. Seine mit spannenden Abenteuern recht sparsam durchsetzte Schulzeit dürfte von nahezu jedem Schüler getoppt werden und sei es auch vom dümmsten Baubudenrülps. Sprechen heutige Oberschüler von früher, dann formulieren sie Sätze wie “Einmal haben wir in der Neunten im tschechischen Skilager die Peggy gesandwicht.” und lügen dabei nicht. Im krassen Gegensatz dazu hat der Doc in der neunten Klasse unbemerkt den Sachsenrekord im Onanieren gebrochen.

Die Germanistikstudenten unter den Lesern merken, wie sich der Doc gerade von Absatz zu Absatz hangelt wie ein ausgemergelter Spargeltarzan, der nach Lianen greift und manchmal fürchterlich danebenlangt. Allerdings muss man Nachsicht walten lassen, ihm die Möglichkeit geben, wieder reinzukommen. Besucht man nach langer Zeit die Eltern und hat seit längerem kein Kraftfahrzeug mehr bewegt, nimmt man sich ja auch nicht Vaters Autoschlüssel und fährt mit quietschenden Reifen aus der Garage. Man fummelt erstmal am Sitz rum und stellt die Spiegel ein und nach ein paar Minuten auf der Landstraße gewinnt man an Sicherheit und wird schneller. Auch der Doc tritt irgendwann wieder beherzt auf’s kreative Gaspedal.

Es ist der immer gleiche Singsang, der euch erfreut wie sonst nur wenige Sachen: Der Doc ist wieder da. Hurra.

dr. micebase

sommerhippiepack

Gerade der Umstand, dass der Doc auch spaßfreie Tage kennt, lässt ihn in der Gunst der Frauen steigen, schließlich kann niemand ernsthaft Interesse an den Kerlen haben, die derzeit Seen und Parks bevölkern. Marke: Wir spannen ein Seil zwischen zwei Bäumen und balancieren oberkörperfrei durch die Gegend, während wir unaufhörlich gut drauf sind.

Hier wird eine unkritische gute Laune zur Schau gestellt, die einem Ekel abnötigt. Gleiches gilt für Jongleure und alle anderen, die sich und ihre Kleinstkunst scheinbar gedankenverloren auf öffentlichen Plätzen zeigen, dabei aber ständig wie Fische im Aquarium aus den Augenwinkeln glotzen, um herauszufinden, ob irgendjemand staunt.

dr. micebase

Wetter schlecht. Stimmung schlecht.

Der Doc sehnt sich nach Sonnenschein.

Ausgestattet mit einem feinen Gespür für gesellschaftliche Großereignisse besuchte der Doc gestern die Uraufführung von “Paris, Texas” im Centraltheater. Dabei ist er zweimal kurz eingenickt und in der Zwischenzeit damit beschäftigt gewesen, all jene Menschen im Saal zu hassen, die gekommen waren, um zweieinhalb Stunden zu husten. Der Doc ist kein profunder Kenner der Theatermaterie, er lässt sich sogar manchmal zum Gedanken hinreißen, Theaterleute wären Exhibitionisten, die vor möglichst großem Publikum zeigen müssen, welche Grenzen man auf Koks überschreiten kann.

Entsprechend kritisch war der Doc und alles in allem wurde er bestätigt, mit Ausnahme dieser zauberhaften Erscheinung namens Heike Makatsch, die die Bühne betrat und den Doc gefangennahm. Durchaus wird Heike nächstes Jahr 40 und hat auch schon zwei Kinder ausgepresst, aber sie ist nach wie vor “hot“, wie Jugendliche zu sagen pflegen, wenn sie eine Tasse Tee durch die Wohnung tragen, deren Henkel abgebrochen ist. Der Doc ist natürlich kein Kostverächter und schlich sich auf die Premierenfeier, wo Wim Wenders den hässlichsten Trenchcoat der Welt zeigte und Neo Rauch heftig darum warb, als hochpeinlicher Tänzer zu gelten. Um diese Menschen herum bildeten sich, sozusagen unvermeidlich, Trauben durchschnittlicher Menschen, die vom Schweif dieser Starkometen etwas Licht abbekommen wollten, um hervorzuschimmern. Was nicht gelang, denn Wim Wenders ist kein Star, sondern ein Filmemacher, der Filme vor allem dreht, um den Leuten eine Möglichkeit zu bieten, auf natürlichem Wege einzuschlafen.

Der Doc betrachtete dieses bunte Treiben mit einiger Heiterkeit und einmal stieß ihn Heike ohne Absicht auf der Tanzfläche an, mit ihrem Hinterteil traf sie jenen Bereich des Docs, dem Nikki Hot mit “Big Cock Seductions” ein filmisches Denkmal gesetzt hat. Später lief die Makatsch an ihm vorbei und man sah sich in die Augen, die Welt lief in Zeitlupe, es setzte Goldregen ein und Marvin Gaye fing an zu singen, aber Heike lief dann irgendwie einfach weiter. Der Doc zuckte innerlich mit den Schultern und sagte sich, dass sie nach acht Jahren Partnerschaft mit Daniel Craig wahrscheinlich erstmal keine Lust auf coole Typen hat.

An sich war dieses Promi-Watching ganz nett und aufschlussreich, auch wenn das Studium der Verhaltensweisen Anwesender recht bald zu Scham führte. Dort, wo Promis auftauchen, werden durch deren Strahlkraft Horden von lokalen “Größen” angezogen, die Samstagabend sonst eher bei einem Gläschen Rioja ihre Frauen zusammenschlagen. Sensible Kerle womöglich, aber durch die Gier nach gesellschaftlicher Geltung in gewisser Weise charakterlich verunreinigt. Gleiches galt für viele anwesende Damen. Außer für eine.

dr. micebase

this one is pessimistic

Der Mensch…zwei Arme. Zwei Beine. Sechs Meter Dünndarm. Wer meint, nur hier würde Kot entstehen, klammert zu Unrecht den Kopf aus.
“Mensch Doc, was ist denn jetzt schon wieder los?” fragen Gleichaltrige, die einen optimistischen Umgang mit den Dingen pflegen. Jenen teilt Dr. Micebase die Erkenntnisse einer Wissenschaftlerin mit:

Joanne Wood von der University of Waterloo berichtet, dass in einem Experiment Teilnehmer [...] allein durch das Aufsagen allgemein positiv konnotierter Sätze ihre Stimmung, ihren Optimismus und ihre Bereitschaft, an Aktivitäten teilzunehmen, messbar verschlechterten.

Hurra! Sollte Optimismus etwa der falsche Weg sein? “Nein!“, rufen mehrere Hippies, die im Zimmer des Doc gerade einen veganen Brotaufstrich anrühren, der nichts Tierisches und keinen Geschmack enthält. Man müsse nur in einem asbestisolierten Wohnwagenpark eine konsequente Mangelernährung verfolgen und rasch verschwänden Sorgen und Nöte, denn man gerät in Trance und wenn nicht, dann helfe Sören mit seiner Engelstrompete nach. Die ablehnende Haltung, die der Doc nach solchen Äußerungen einnimmt, ähnelt der junger Enkelkinder, denen die Großmutter gerade eingelegte Nierchen als Kompott angeboten hat.

Eine ganz andere Sorte “Mensch” hat übrigens Grillratte mit Photoshop festgehalten. Ganz großes Kino.

dr. micebase

doc doc doc

Durchaus hat der Dottore zwischen diesen und den letzten Beitrag, der überdies nur ein Bildchen enthielt, ein relativ großes Zeitfenster geschoben. Das bedeutet nicht, dass in der Zwischenzeit nichts passiert wäre. Es war eben einfach die Lust, die fehlte. Es haben im Kommentarfeld einige Leute ihre Schmauchspuren hinterlassen und Bedauern geäußert. Einer hat sogar täglich reingeschaut und war sicher sehr enttäuscht. Es tut mir leid.

Umso größer muss jetzt die Freude sein, jetzt, wo der Doc, der Begründer des poetischen Androzentrismus, die Tastatur nicht mehr behandelt wie einen glühenden Eisenstab, sondern virtuos darauf rumklackert. Er will langsam beginnen und die Leute nicht überfordern. Heute mittag griff er in seinen Rucksack und merkte, dass eine weiße Substanz die Fingerkuppe bedeckt. Das Zerreiben ergab cremige Konsistenz sauren Geruchs.

In der Tat verbarg sich am Rucksackgrund eine Briespitze, die der Doc vor einigen Tagen kaufte und nicht in den Kühlschrank legte, sondern vergaß. Ein zermalmter Camenbert am Boden seiner Tasche hebt die Stimmung nicht in neue Rekordhöhen, bringt aber eine fantastische Überleitung mit sich, denn Brie ist französisch und über Ostern war der Doc im Frankreichurlaub.

Dass dabei am ersten Abend Vincent Cassel in der gleichen Bar saß, will der Doc gar nicht groß rumposaunen, weil es ihm unangenehm war, dass Vincent Cassel aufgeregt wie ein kleines Kind immer und immer wieder am Doc vorbeilief, prüfend und schüchtern.

Der Aufenthalt war schön und soll nicht großer Gegenstand sein, er ging irgendwann zu Ende, wie sich das mit Ferien verhält und wie es so nach der Heimkehr nach Deutschland ist, wird man mufflig. Gut zu beobachten ist das an Bekannten, die ein Jahr in Australien oder Neuseeland Früchte gepicked haben und dann gar keinen Gefallen mehr an Deutschland finden wollen, denn: hier hängen die Mundwinkel und das Wetter ist scheiße. Deutsche sind zu hart und zu unflexibel für einen intensiven Austausch von Gedanken und Gefühlen.

Und in der Tat: Kaum ist man in Frankreich, schon ist alles neu, schon bleibt der Mund offen stehen. Hier müssen dunkelhaarige Schönheiten nur Kot essen, um ihre Traumform zu erhalten. Man kann sich gar den Luxus erlauben, Kot mit Himbeeren zu verzieren, bestimmt, um den nussigen Geschmack zu überdecken, der nicht jedermanns Sache ist.


Kot schuf diese Formen. , steht auf dem Plakat, wenn das Schulfranzösisch den Doc nicht völlig im Stich lässt.

Verweilt man aber etwas und schaut genauer hin, findet man auch in Frankreich Schattenseiten, namentlich in Paris. Hier steigt die Dichte von amerikanischen Touristen ins Unerträgliche, jener kulturlosen Fettschwämme, die bei jedem Kanaldeckel aus Gusseisen stehenbleiben und sagen “it’s like oh my god.”

Amerikanischer Tourist. 10 Grad Außentemperatur. Aggressive Handhaltung. Titten.

Die harte und brutale Art, wie dieser Text endet, hat sich sein Autor beim Leben abgeschaut.” (Max Goldt)

Ich bin wieder da. Alles ist gut.

dr. micebase

dr. micebase

Dr. Mabuse fährt Rad.

Ein sicheres Zeichen für das Ende des Winters ist, wenn der Doc wieder mit dem Rad durch die Stadt braust und ihm Passanten Anerkennung zollen, denn dieser Kerl ist schnell wie ein Pfeil und seine Oberschenkel sind zwei kleine Kraftwerke.

Leider trüben andere Verkehrsteilnehmer viel zu oft den Spaß, vor allem diese Rentner. Kaum zwei oder drei Menschen in der Republik, die sich noch nicht an ihnen erschrocken hätten. Man rufe sich beispielsweise ins Gedächtnis, wie geräuschvoll sie mit ihren Autos auf Supermarktplätzen losfahren: als säßen sie in kleinen Düsenjets. Im Nu erreichen ihre Kleinwagen 7000 Umdrehungen pro Minute und werden dann mit schleifender Kupplung im ersten Gang nach Hause gefahren. Die Langeweile während der Fahrt verkürzen sie sich am liebsten mit dem Gefährden von Passanten, weil sich mit den neben ihnen sitzenden Ehefrauen seit der Wende irgendwie kein richtiges Gespräch mehr ergeben hat.


Beliebte Masche bei grau melierten Boys: Die gemachten Fahrfehler mit großväterlichem Gestus einfach wegschmunzeln.

Rentner lümmeln in ihren Kleinwagen außerdem immer auf Sitzauflagen aus farbigen Holzkugeln, die ihnen ein asiatischer Händler vor Jahren mit einer “Massagefunktion” schmackhaft gemacht hat. Wenn Senioren von Zeit zu Zeit meinen, sie könnten ihre Gliedmaßen wieder spüren und ihre Körper kontrollieren, machen sie dafür sofort ihre Sitzauflage verantwortlich und loben sich überschwänglich für den Kauf, dabei hat nur der Ischiasnerv aufgemacht, weil der Rentner mal den Schulterblick ausprobierte. Die Kontrolle über ihre Körper verschwindet übrigens sofort wieder, wenn sich Rentner entschließen, den Doc zu überholen.

Jener fuhr heute wie erwähnt auf seinem Fahrrad und verschlang gerade einen Energieriegel, als sich so ein Weltkriegsveteran von hinten vorbeimogelte. Wenn der Doc sagt, dass in den “Sicherheits”abstand zwischen Auto und Fahrrad das Glied eines Grundschülers nicht hineingepasst hätte, will er nicht pervers wirken, sondern die Mißbräuchsfälle der letzten Wochen thematisieren.

Dr. Micebase, der als Befürworter der sexfreien Grundschule gilt, gab dem Rentner ein eindeutiges Handzeichen, das dieser aber nicht sah.
An der nächsten Ampel wollte Micebase Blickkontakt aufnehmen, doch die eingetrübten Linsen des Senioren versuchten gerade, die zwei Meter Luftlinie zur Lichtsignalanlage zu besiegen. Die Beifahrerin wirkte ebenfalls abgelenkt, sie schmökerte in den grauschattierten Erinnerungen ihrer Jugend. Aufgewacht wären beide wohl erst, wenn ihnen der Doc einen Amboß auf die Motorhaube geworfen hätte.

Die Folgen zu umschreiben ist so schwer nicht. Der Rentner besähe seine in Stahl gepresste Ermahnung auf dem Kühlergrill und der Doc hätte für alle deutlich hörbar ein Schlurrbs produziert. Hier war also einmal mehr völlig berechtigte Aggression aus Gründen des Selbstschutzes hinunter zu schlucken.

dr. micebase

dr. micebase hat geburtstag.

Seit längerem erschien kein Text auf micebase.de, diesem hübschen kleinen Onlineauftritt. Hier lässt das Gefühl des Bedauerns im Leser kaum Spielraum für andere Empfindungen.

Es gab in der Zwischenzeit höchstens eine erwähnbare Episode und die hing mit dem Geburtstag des Docs zusammen. Er ist seit wenigen Tagen so alt, wie es Jim Morrison war, als er in einer Pariser Badewanne starb. Hatte Morrison noch einen veritablen Mix aus Texten und Musik hinterlassen, sind die Erzeugnisse, die den Ruhm des Docs begründen könnten, noch übersichtlich.

Das muss und wird sich ändern. Dr. Micebase ist jetzt Besitzer einer leistungsfähigen Kamera und peppt seinen Internetauftritt vielleicht schon bald mit selbstgeschossenem Bild- und Tonmaterial auf. Yeahr.

“Na klar, genauso wie du damals Online-Tagebuch schreiben wolltest, du Labertasche.”
Hat zwar niemand gesagt, aber bestimmt jemand gedacht. Irgendeinen Stinkstiefel gibt es immer. Irgendeiner sticht immer heraus. Beim Doc ist das allerdings auch schon seit Schulzeiten so.

Nächste Einträge »