Butch war Trucker in Amerika. Er trug einen langen Bart, mit dem er manchmal in der Kabinentür hängenblieb. Er fuhr einen 40-Tonnen-Kenworth von Delaware nach Eugene/Oregon. Manchmal war ihm danach und er fuhr die ganze Strecke nackt.
Einmal hielten sie ihn in Iowa an, der Polizeiwagen stand versteckt hinter einem Rind. Sie fragten ihn, warum er ohne Kleidung fuhr und Butch sagte “Der Schalter für die Standheizung ist kaputt.” Die beiden Cops spürten, dass er log und teaserten ihn. Sie jagten das Stromkabel genau über die Lippe und 240 000 Volt prüften Butchs Herzmuskel. Irgendwann hatten sie Erbarmen. “Du kannst weiterfahren, Kumpel. Wir wissen aber nicht, wie die Kollegen in Wyoming reagieren werden, die sind alle schwul da drüben.” Die beiden lachten ein Amerikanerlachen, sie öffneten den Mund weit und ließen die Köpfe in den Nacken fallen. Butch lachte verhalten mit und leckte seine Teaserwunde. Sie schmeckte ein bisschen wie Burgerfleisch, das jemand auf dem Grill vergessen hatte. “Not too bad.” dachte er und leckte bis Oregon daran.
Nachdem er Eugene erreicht und seine Ladung Knopfzellen abgeschüttet hatte, kam er gutgelaunt auf den Gedanken, Daisy zu besuchen, die in einem nahe gelegenen Truck Stop arbeitete. Daisy war eine Mittvierzigerin mit enormem Busen, der die Kaffeekanne an die Hand gewachsen war. Sie liebte Butch seit dem Tag, an dem er das erste Mal ihren Laden betrat. Irgendwann gestand sie ihm, dass sie verliebt sei. Er lehnte ab und begründete es mit seiner Freiheit, die er zum Überleben brauchte. Daisys Schmerz saß tief, doch sie verstand, dass Butch unterwegs sein musste, um mit den Elementen eins zu sein, zum Beispiel mit dem Element Luft, wenn er sich am Fenster einen Zug holte.
Durch die Glastür des Truck Stops sah Daisy den Kenworth um die Ecke biegen. Butch thronte darin mit seinem dichten schwarzen Vollbart, in dem sich eine kleine weiße Reihe hübscher Zähne zu einem Lächeln formte. Butch achtete sehr auf sich. Er hupte, gab ein Lichtsignal und trat ein. Daisy freute sich, doch zeigte es nicht. “Ich habe seit Delaware das Gaspedal in den Radkasten getreten, nur um dich zu sehen.” sagte er und der Kaffee in Daisys Hand kochte auf. “Und ich dachte, du kämst wegen der Knopfzellen nach Eugene, du Aufschneider.” sagte sie. Beide lachten herzlich. Butch liebte ihre markigen Worte. Mit seinem delawareschem Charme, mit dem er auf der High School alle Cheerleaderinnen überzeugte, unbedingt von ihm unter der Stahlrohrtribüne der Turnhalle geliebt zu werden, gewann er bei Daisy keinen Blumentopf. Er bestellte einen Kaffee, schwarz wie Erdöl, nur dicker. “Wie läuft’s, Kleine?” fragte er. Sie erzählte von ihrer kranken Mutter, den Geldproblemen und ihrem Sohn, der Schwierigkeiten in der Schule hatte. Das tat sie mit einer Würde und Stärke, die auf Butch keinen geringen Eindruck machte. „Frauen können soviel auf sich nehmen und klagen dennoch selten“, dachte er und machte ihr einen Kussmund. Sie kicherte schüchtern zurück.
Butch war ein Bär von einem Mann, aber doch war er einfühlsam und in zwischenmenschlicher Hinsicht zärtlich wie nur Wenige. Er plauderte mit Daisy und stärkte sie mental, doch er verlor kein Wort über sein eigenes Gefühlsleben. Er verschwieg, dass er manchmal in seinem Fahrerhaus einsam war und gelegentlich, wenn Bob Dylan lief, auf sein Multifunktionslenkrad weinte. Einige Tasten funktionierten schon nicht mehr. Er war sensibel. Manche nannten ihn einen Truckerpoeten, doch sie meinten es nicht böse. Es wurde einander zugeraunt, wenn er durch die Truck Stops des Landes lief. „Butch ist stark wie ein Bär,“ sagte mal einer, „aber sein Herz ist wie das Herz einer Frau.“ Der, der das sagte, hieß Chad und stammte aus Tallahassee. „Auf einige wirkt das vielleicht homosexuell, aber ich sage euch for fucks sake, wenn alle Homosexuellen so sind, dann will ich verdammt noch mal homosexuell sein.“ Als Butch aus Eugene/Oregon abfuhr, ließ er eine zufriedene Daisy zurück. Ihr war weniger schwer ums Herz und sie liebte ihn heftiger als je zuvor.
Wir sollten nicht verschweigen, dass nicht nur Daisy ein Auge auf ihn geworfen hatte. Im Grunde hatte er Verehrerinnen in jedem Bundesstaat. Lediglich in der Mitte Amerikas gab es Kellnerinnen, die Männer bevorzugten, denen ab und zu die Hand ausrutscht oder die beim Sex mit ihren Colts in die Schrankwand schießen. (to be continued…)
soll dr. miesepeter "butch, der fernfahrer" fortsetzen?
- Ja, Doc. Butch ist geil und du bist geil. (83%, 44 Votes)
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